Sonntag, 18. März 2012

Das Glück der Besonderen Orte



Das Glück der Besonderen Orte

Wenn du einmal das Glück hast einen besonderen Ort besuchen zu dürfen, dann nehme alle Gefühle mit dorthin, die du besitzt. Am Anfang brauchst du ganz viel Mut und Kraft. Das ist leider zuerst nötig, denn du kennst diesen Ort nicht und erschrickst vielleicht im ersten Moment. Das darfst du auch, denn es ist alles neu.  Vergesse deine Neugierde nicht und niemals dein Lächeln. Lasse ruhig deine Scheu zu Hause, denn jeder beantwortet gerne deine Fragen, wenn du dich traust sie zu stellen.
Mitleid ist hier unangebracht, denn jeder hier ist etwas Besonderes. Vielleicht sind einige hier anders als du und dafür wird dich auch niemand bemitleiden, also lassen wir das Mitleid zu Hause. Nehme aber auf jeden Fall dein Lachen mit, denn du wirst sehen, wenn du es zulässt, dann darfst du es hier gebrauchen und du wirst verwundert feststellen, dass es hier immer echt ist. Niemals gekünstelt oder falsch, wie leider so oft an Orten, die nicht so wie dieser hier sind.

Versuche dir alles ganz in Ruhe anzusehen und die Menschen hier kennen zu lernen. Sehe einmal genau hin und du wirst feststellen, dass du hier so sein darfst, wie du bist. Keiner sieht dich doof an und wundert sich darüber, dass du nicht bist wie alle anderen. Hier ist keiner wie alle anderen und jeder hier ist etwas Besonderes, genauso wie du etwas Besonderes bist.

Eigentlich sollte es sogar überall so sein, und nicht nur an besonderen Orten wie hier. Doch leider sind die Menschen dafür nicht gemacht. Leider sind Menschen manchmal ziemlich engstirnig und oberflächlich, und wenn etwas nicht so ist, wie sie es gewohnt sind, dann sehen sie entweder weg oder machen sich über Dinge lustig, um ihre eigene Unvollkommenheit zu überspielen. Denn die wirklich behinderten sind nie die, denen man es Körperlich ansieht, sondern die, die sich über ein Körperliches Handycap lustig machen. Eine Emotionale Behinderung ist oftmals viel schlimmer als eine Körperliche.

Hab ich dir schon einmal die Geschichte von Franziska und den Riesen erzählt? Nein? Dann lies mal :



Franziska und die Riesen

Es war einmal ein Mädchen das hieß Franziska. Sie war 10 Jahre alt und sie hatte grüne Augen hatte lange braune Haare die sie sich meistens zu zwei Zöpfen band. Sie war sehr neugierig und überall beliebt und einfach ein kleinen Sonnenschein. Sie lebte mit ihrer Mama und Ihrem Papa in einer schönen Wohnung und sie hatte einen kleinen Hund der Quando hieß und den Sie über alles liebte.
Eines Tages ging sie wie jeden Nachmittag mit Quando spazieren als plötzlich eine Katze vor Ihnen über den Weg rannte. Weil Quando nun mal ein Hund war, wollte er hinterher und er schaffte es sich loszureißen. Franziska rief und rief, doch Quando hörte sie nicht. Sie hat noch versucht ihn einzufangen aber er war viel zu schnell. Franziska suchte Ihn überall und nach einer Ewigkeit kam sie zu einem Wald. Sie wusste dass sie nicht alleine in den Wald gehen durfte, aber vor Angst und Sorge um Ihren Hund missachtete sie das Verbot und betrat den waldigen Boden. Sie irrte umher und bemerkte gar nicht wie weit sie schon vorgedrungen war, als ihr plötzlich auffiel, das sich die Bäume veränderten. Die Stämme die sonst so groß waren, waren plötzlich noch viel größer. Zehn, nein,  bestimmt zwanzigmal so groß wie normale Bäume und das Gras welches Sie doch eben noch unter Ihren Schuhen hatte überragte jetzt fast Ihren Kopf. Verwirrt blickte sie sich um und auf einmal bekam Franziska fürchterliche Angst. Nichts erschien mehr normal und dann hörte sie etwas. Es klang wie Donnerschläge. Die  Erde bebte. Franziska sprang in ein Erdloch und schlug sich die Arme über den Kopf, ihr Herz raste und Ihr Körper zitterte.
Das Beben  wurde lauter und lauter und sie nahm Ihren ganzen Mut zusammen und hob den Kopf um zu sehen woher diese Geräusche kamen. Was war das? Vor Ihr standen plötzlich einige riesige Gestalten. Es waren drei soweit sie das sehen konnte, denn ganz sicher war sie sich nicht. Jedes hatte 2 Köpfe und 4 Arme, sie hatten keine Nasen und  pro Kopf auch nur ein Auge. Die drei, oder 6? Standen auf einer Lichtung und warfen sich einen Gegensand zu. Anscheinend  spielten sie ein Spiel. Franziska blieb lange Zeit dort liegen und beobachtete die drei. Da sie wusste das Sie alleine niemals wieder hier wegkommen würde nahm sie allen Mut zusammen und kroch aus Ihrem versteck, vielleicht konnten diese Gestallten ihr Helfen wieder nach Hause zu finden? Sie lief auf sie lief auf sie zu und fing an zu rufen so laut sie konnte und irgendwann entdeckten die drei Riesen Franziska. Als sie sie sahen verzerrten sich Ihre Gesichter der  Ekel war kaum ansprechbar und sie fingen an zu schreien. „Macht es tot, macht es tot, das ist so widerlich!"
 Franziska traute ihren Ohren kaum, begriff aber sofort in welche Gefahr sie sich begeben hatte und rannte in die entgegen gesetzte  Richtung, doch sie hatte keine Chance. Die Riesen hatten sie mit 3 Schritten eingeholt und versuchten sie mit Ihren Füßen zu zertreten. Franziska fiel hin und Sie wusste sie würde sterben.
Plötzlich wurde Ihr ganz komisch und als Sie wieder die Augen öffnete war sie 10 Meter über dem Boden in der Hand von einem noch größeren Riesen als die anderen drei. Er sah Sie an und sprach ganz leise“ hab keine Angst, ich bringe dich nach Hause“ er blickte kurz vorwurfsvoll zu den kleineren Riesen und machte  sich auf den weg. Sie redeten nicht miteinander. Kein Wort, Franziska weinte und weinte und weinte und nach kurzer Zeit wurden die Bäume kleiner, das Graß schrumpfte und Franziska erkannte den Weg. Der Riese ließ sie runter, drehte sich um und ging. Franziska rannte so schnell sie konnte aus dem Wald und dann nach Hause, wo Quando schwanzwedelnd vor der Haustür auf Sie wartete Seit diesem Tag hat Franziska den Wald nie wieder alleine betreten.

Weißt du, ich weiß, was der große Riese zu den kleinen gesagt hat. Er sagte: „Ich hoffe Ihr schämt euch zu tiefst, für das was Ihr grade getan habt! Jeder sollte lernen genau zu überlegen und nachzudenken, bevor man entscheidet etwas abstoßend  zu finden oder wenn man etwas sieht, was einem nicht gefällt, eventuell lohnt es sich noch mal aus einer anderen Richtung hinzusehen. Jedes Lebewesen hat ein Recht darauf glücklich und in Ruhe zu leben egal wie es aussieht, egal was derjenige  in den Augen anderer für Fehler hat ob er im Rollstuhl sitzt, blind ist, oder nicht richtig sprechen kann. Denn diese Fehler empfindet nur man selber so und für andere ist er vielleicht wunderschön.

Jeder Mensch ist Besonders und die ganz besonderen unterscheiden sich manchmal eben durch körperliche oder geistige Unterschiede von der Masse

Ich wünsche jedem das Glück einige dieser  wunderschön,  wunderbaren und besonderen Menschen kennen zu dürfen.

Ich habe Joachim Friedrich, dem Vorsitzenden der Deutschen Muskelschwund Hilfe Hamburg  vor zwei Jahren eine Geschichte versprochen. Ich dachte ich habe noch viel Zeit sie zu schreiben. Er ist am 16. Februar verstorben und erst jetzt wo es zu spät ist komme ich dazu meine Trauer in Worte zu fassen.

Seine Krankheit hat ihn gelehrt zu kämpfen, und das hat er in erster Linie für andere getan. Das und noch so viel mehr wird ihn mich nie vergessen lassen.

Wir kämpfen weiter, so wie er es uns gezeigt hat und mit allem Mut und aller Kraft die wir haben, immer über die eigenen Grenzen hinaus.

Stephanie


Kommentare:

recklingsen hat gesagt…

Die Definiton von Glück ist für jeden Menschen so anders. Wichtig ist und bleibt doch wirklich das Wesentliche, jenes nichts kostet und was jedem Menschen gleich zusteht. Respekt und Würde sollten in diesem Zusammenhang keine Fremdwörter sein. Gerade Menschen mit derartigen Behinderungen können sich eben nicht dagegen wehren. Haben nicht die Kraft und die Ausdauer ihre Rechte einzufordern.

Du hast jedoch vollkommen Recht, man braucht sehr viel Mut um Menschen mit Behinderungen in der Form begegnen zu können. Viele Menschen verdrängen die Angst wegen der Konfrontation, da sie eben Gesund sind und nun mal laufen können, oder weil Sie einfach froh sind dass es Sie insoweit nicht betrifft.

Es bedrückt das Gemüt ungemein, doch wenn man sich einfach darauf einlässt, kann man sehr viel bekommen, was andere Menschen einfach nicht in dier Form schaffen, weil Sie nie mit dem zufrieden sind was Sie haben.

Sich die Zeit zu nehmen, wie ich es jetzt gerade gemacht habe um diesen Kommentar zu schreiben, ist nicht immer einfach, weil viele Faktoren eine Rolle spielen. Das die Zeit endlich ist wissen wir alle, doch schieben wir viele Sachen vor uns her und wenn es insoweit zu Spät ist handeln wir .. und machen uns vielleicht sogar Vorwürfe.

Glück ist etwas was ein Lächeln zaubert, wo durch oder womit ist gänzlich egal. Wichtig ist und bleibt dass man selbst Freude empfindet, bei dem was man macht und wie man es macht.

Eine wirklich wundervolle Geschichte liebe Stephanie, die gefällt mir sehr und hat so eine deutliche und verständliche Botschaft.

Viele Grüße
Martin

FarbDachs hat gesagt…

Großartig, tiefgründig, leicht und sehr bewegend!